KOSSU & OUZO

Ein Roman von Mikki H.

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Auszug aus dem Roman »Kossu & Ouzo«

 

Paris Kamakis, Grieche, lebt aufgrund eines besonderen Tauschhandels seit über drei Monaten in Lappland.

Der Finne Kimmo - Kim - Rantala hatte mit ihm nichts Geringeres als sein Leben getauscht. Für ein ganzes Jahr lang.

 

Diese Szene aus dem Kapitel "Heinäkuu - Juli" spielt im sommerlichen Lappland:

 

 

 

 

 

Lapplandschuhplattler

 

Gummistiefel, Schlafsack und großen Rucksack zum Zusammenpacken der Sachen. Paris suchte den Schuppen neben der Sauna ab. Sogar hier herein verirrten sich diese summenden Untiere. Er schlug auf seinen Unterarm und zerquetschte damit gleich drei Blutsauger. Nebenan, beim Holzhacken im Holzschuppen hatte er lautstark gesungen, ehe er einen Gewehrkolben auf die Rübe bekam. Und wieder verspürte er Lust auf Singen, jedoch wollte ihm der Song partout nicht einfallen, der ihm auf der Zunge lag. Ein amerikanischer Countrysong war es, welcher die Gehirnwindungen strapazierte, doch es fiel ihm nicht mehr ein, wie er hieß. Und dann war da die Frage, warum ihm jenes Stück gerade jetzt in den Sinn kam. Countrymusik. Das war die Musik der Prärie. Die Weite der Landschaft. Freiheit. Der Grieche hatte, bis auf einige wenige Hamburger im Jahr, kein bisschen zu schaffen mit den USA. Weswegen schlich die einfache Gitarrenmelodie in seinen Kopf? 

Schlussendlich half die Natur mit, die es ihm mit einem Ziehen in der Körpermitte zurief. Der Refrain lautete: »Singing doo rai doo, singing doo rai day.« Darauf folgte der Teil, der Paris so stark in Erinnerung blieb, jene Art von Text, der in Gehirnrinden Spuren hinterließ. Es verhielt sich wie bei manchen Büchern. Man hatte die Charaktere längst vergessen, sie waren verblasst, doch da passierte ja diese eine Szene.

»It´s said: If a man cant´ piss in his own front yard, he is living too close to town.«

Kims Haus war nicht zu nah an die nächste Stadt gebaut und hatte einen eigenen Hof. Daher folgte er Tom Russells Songtext des Liedes ´The ballad of Edward Abbey` und wollte die Freiheit spüren, in den Garten zu gehen, einfach dem Ruf der Natur zu folgen und die Blase zu entleeren.

 

Kein Nachbar weit und breit. Höchstens die Tankstelle in einigen Kilometern Entfernung konnte man so bezeichnen. Hier herrschte wahre Unabhängigkeit. Nicht mal ins Haus musste man, um zu pinkeln.

Paris stapfte hinter den Schuppen, öffnete den Gürtel und den Knopf der Jeans.

Die Erste setzte sich auf seinen Nacken, versenkte sofort den Stachel, ehe sie von einer griechischen Hand zermalmt wurde, und beließ so ihr ganzes Gift gegen die Blutgerinnung in der Wunde. Er war beim Reißverschluss angelangt, als er wieder innehalten musste. Mücke zwei, drei, vier und fünf landeten auf Kopfhaut, Hosenbein und Ohrläppchen. Eine Gnitze zog sich in das linke Ohr zurück, sorgte für ein regelrechtes Brummen im Hörkanal und ließ Paris gleich beide Hände von der Hose nehmen. Es war die Freiheit pur in Lappland, doch wenige Millimeter große fliegende Ungetüme schränkten jene in den warmen Sommerwochen stark ein. Ein Gefühl der Beklemmnis überkam ihn. Als hielt ihm jemand ein Stück griechischer Süßigkeiten unter die Nase, und sobald er den Mund erwartungsvoll öffnete, zog derjenige es weg. Sein Hosenschlitz stand offen. Nun würde er eine andere Taktik brauchen, um nicht das ganze Beinkleid herunterrutschen zu lassen. Nur die Rechte blieb ihm um Angriffe abzuwehren und die kamen in Bataillonsstärke. Die Erlösung war so nahe. Die Süße konnte er fast schon schmecken, und als er etwas aus der Unterhose so weit herausholte, um das zu tun, wonach es ihn mittlerweile dringendst gelüstete, spürte er sie überall. Sie saugten an den Beinen, saßen im Nacken, am Rücken, im Gesicht. Es wurde ein entblößter Tanz mit den Mücken. Er sprang gleich einem Indianer beim Regentanz abwechselnd von einem Fuß auf den anderen, versuchte so die Attacken auf seine untere Körperhälfte abzuschütteln. Die linke Hand war beschäftigt und hielt den eigentlichen Grund des Problems sowie den Bund der Hose fest. Die Rechte wirbelte und schlug wild um sich. Es war ein lappischer Schuhplattler, eine abgewandelte Form des bayerisch-österreichischen Tanzes. Durch die Hüpfbewegungen war die Linke ausgelastet, versuchte sie doch verzweifelt das Beinkleid nicht zu verlieren. War das normale Urinieren an öffentlichen Plätzen, wie in Häusersiedlungen ein Stein des Anstoßes, würde Paris´ Lapplandschuhplattler für noch mehr Chaos sorgen. Die Rechte erwischte viele und der Gepeinigte schlug wie in Panik um sich. Spürte er ein krabbelndes Tier, egal wo am Körper, er klatschte danach. Aufgrund dieses Stresses konnte er die Süße der Erlösung kein bisschen genießen, versuchte den Strahl von den Schuhen fernzuhalten, was schwierig war ob der Tanzschritte. So gut es ging, war er bemüht, Stiche abzuwehren und dann passierte etwas Unvermeidbares. Ein Blutsauger nahm, die Not war unaussprechlich, auf seinem hosenhaltenden Handrücken Platz und bekam sofort Gesellschaft von Artgenossen. Links, rechts, von einem Fuß auf den nächsten, ein Klatsch gen Ohr, ein Patsch auf den Hals. Ein Wischen über die Oberfläche der ausgelasteten, haltenden Hand. Aufgeschreckte Mücken flogen nicht weit, erreichten eine neue Stelle um ihren Stachel zu setzen, ein paar Zentimeter neben den Fingern. Sie fanden dort mehr Fleisch und sorgten für große Panik bei dessen Besitzer. Erneut ein Schlag. Ausgeführt aus lauter Verzweiflung. Zum Jucken gesellte sich nun auch Schmerz. Der Nacken, der Kopf, die Unterarme - alles war nun egal. Es galt nun mit voller Aufmerksamkeit jenen Körperteil zu verteidigen, der ihn überhaupt hier herausgetrieben hatte.

Normalerweise schüttelte man(n) erst am Ende, doch der Tanz wurde noch verfeinert um diese Geste.

Schließlich aber wehrte Paris erfolgreich die letzten Mücken ab, zog eilig seine Hose zu und floh ins Innere. Er schloss geistige Schwüre ab. Nie - nie mehr - wieder wollte der Grieche im Sommer Lapplands die Freiheit herausfordern. Geschäfte jeglicher Art würden in geschlossen, unfreien Räumen erledigt werden. 

 

 

                                                                                                                                                                     Copyright © ATPC Media

 

 

                                                                                                                         

 

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Danke fürs Lesen! 

 

 

Alles Liebe,

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