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  • Mikki H.

Deutsch-Finnische Gesellschaft NRW veröffentlicht einen Artikel von Mikki H. in ihren Landesnachrich


Für den DFG durfte ich einen Artikel über meine Wahlheimat verfassen!

Das Thema lautete »Am Tornio- und Muoniojoki«

Selbst das Titelbild und einige andere Fotos stammen aus meiner Kamera.

Hier der Text:

Am Tornio- und Muoniojoki – Artikel eines »zuagroasten« Muoniolainen

Der Tornio-Muoniojoki! Mehrnamiger Grenzfluss, der Menschen anzieht und wundervolle

Landschaften durchfließt.

(Text/Fotos: ATPCMedia,

Mikki H)

Den Ursprung hat er 473 Meter über dem Meeresspiegel in Kilpisjärvi, kurz vor der norwegischen Grenze. 90 Kilometer schlängelt sich der Könkämäeno, so heißt er da oben, durchs Käsivarren erämaa, einem Wildnisgebiet.

Man mag es dem Lachs, dem König des Flusses, schwer verdenken, dass er zum Laichen Hunderte von Kilometern vom perämeri, dem Bottenwiek, dem bottnischen Meer, hochschwimmt. Durchquert er schließlich durchwegs qualitativ sehr gutes, bis gutes Wasser. Wer möchte nicht in solch ein Habitat seine Nachkommen setzen? In ein Flussgebiet, welches einen hervorragenden Start ins Leben für neue Generationen darstellt.

Doch keineswegs nur Lachs, Meerforelle, Hecht, Äsche, Barsch, Weißfisch und siebzehn weitere Fischarten mögen jenen Fluss besonders gut leiden.

Auch der Homo-Sapiens hat sich immer schon gerne hier angesiedelt.

Kilpisjärvi - kurz vor der EU-Außengrenze - ein kleines Dorf im Käsivarsi-Wildnisgebiet. Die einzige Straße des Gebietes führt durch das Örtchen, in welchem der Saanatunturi, der heilige Berg der Samen, thront.

Warum will jemand in so einer Region überhaupt leben? Sind die langen, strengen Winter und die mückenreichen Sommer keine Abschreckung?

Mitnichten nur die Wasserqualität der Flüsse und Seen im lappischen Teil Finnlands gehen als Argument dafür durch. Da wäre noch die beste Luftqualität Europas zu nennen. Die kaum, bis gar nicht, vorhandene Kriminalität. Die guten Schulen. Ebenso die - Achtung: Klischeeauflösung - freundlichen, offenen lebenslustigen und auch stolzen Menschen, die dort leben.

Der Konkamäeno wird nach 90 Kilometern, kurz oberhalb von Karesuvanto, zum Muonionjoki. Nicht nur die beliebte Rentierschlächterei auf der schwedischen Seite (Karesuando) ist einen Besuch wert, weil es da billig das hervorragendste und beste Fleisch der Welt gibt. Ebenso die Landschaft ist bemerkenswert. Elend lange, gerade Straßen, die scheinbar bis in den Horizont hineinreichen. Endlos ausgebreitete Täler. Tundren. Und niemals auf »Sannan Putikki« vergessen. Auch ohne dem Wunsch Souvenirs zu erstehen, sollte man einen Sprung zum günstigsten (50 Cent) Kaffee + Munkki (Donut) Angebot Finnlands machen. Es kommt sehr oft vor, dass Touristen schon während des Eintretens in den riesigen, prall gefüllten Laden merken, dass nichts dran sein kann am Gerücht des schweigsamen Finnen. Sanna, die Betreiberin, eine echte Samin, umarmt verblüffte Durchreisende und drückt sie an ihr großes Herz, stellt ihnen interessierte Fragen.

Der Muonionjoki trägt den Namen für 230 Kilometer, ehe er sich beim Dorf Lappea mit dem aus Schweden kommenden Tornionjoki vereinigt und dessen Benennung annimmt, um die letzten 180 Kilometer bis zum Bottenwiek zurückzulegen.

Im Kirchdorf Muonio hat ebenso der Verfasser dieser Zeilen ein Zuhause gefunden. Seine drei Kinder wachsen in ebenjener gesunden Umgebung auf und erfreuen sich des etwa sechsmonatigen Winters mit sauberstem Schnee, der Schätze des Waldes und Sumpfes, der Heidel-, Preisel-, Krähen- und Moltebeeren. Genießen die Freiheit im Freien zu spielen. Gehen ohne Druck in die hervorragende Dorfschule.

Wir begleiten den Fluss noch ein bisschen in dessen Verlauf. Verlassen das Dorfzentrum Muonios und finden Harriniva, direkt am Muonionjoki gelegen. Ein Zentrum für Touristen aus aller Welt mit Huskycamp und Wildwassertouren im Kajak oder Schlauchboot.

Vorbei geht es an den Stromschnellen von Äijäkoski.

Weiter in Richtung der Gemeine Kolari. Am Weg befinden sich interessante Stätten wie: »Die Hölle Lapplands - Lapin helvetti« - Pakkasaivo, ein beeindruckender Schluchtensee. Gleich daneben liegen samische Kultstätten.

Ein paar Worte kann man noch an das Tornedalen, Tornionlaakso, richten, in dem sich eine ganz eigene Varietät der finnischen Sprache (meänkieli) entwickelt hat. Das Tornedalfinnisch. In Pajala gibt es jedes Jahr im Juli den größten Jahrmarkt der Region samt kleinem Rummelplatz. Ein Muss für die Anrainer der 500 Kilometer langen Wasserstraße.

Enontekiö, Muonio, Kittilä, Kolari, Pello, Ylitornio und Tornio. Durch jene Gemeinden und Dörfer schlängelt sich ein Wassersystem, welches es zu schützen gilt.

Bis knapp unterhalb von Muonio hat es die höchste Wasserqualität (I - erinomainen). Doch selbst später wird die Qualität nicht viel schlechter und ist mit der Stufe II - hyvä noch immer überdurchschnittlich.

Wir müssen hoffen, dass auch weitere Generationen sich an dem Fluss erfreuen können. Denn was gibt es Schöneres als einen Sonnenuntergang am Ufer des Tornio- Muonionjoki zu genießen. Am Lagerfeuer sitzend. Die frisch gefangenen Äschen verbreiten köstlichen Duft und der mit dem Seewasser gekochte pannukahvi - Kochkaffee, lassen die Anstrengungen des Ruderns vergessen. Dann stellt sich nur mehr Zufriedenheit ein und der immerzu dahinströmende Fluss wird zu einer Lebensader, einer Energiequelle für die glücklichen Menschen die ihn erleben dürfen.

Vielen Dank für die gute Zusammenarbeit!

Und hoffentlich ergeben sich noch mehr Möglichkeiten zur Kooperation!

Herzliche, sonnige Grüße aus Lappland,

Mikki H.

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